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Expedition Svalbard 2022 - Auf der Jagd nach Ichthyosauriern in Spitzbergen

Der Fund einer Wirbelsäule eines Ichthyosaurier, einem Fischsaurier, aus den Neunzehnhunertachtzigern gab Anlass für eine vielversprechende Expedition. Gefunden wurde es in den Trias-Schichten des Berges Eistraryggen in Spitsbergen. Die Wirbeltierpaläontogie der Uni Bonn interessierte sich dafür und so unternahmen die Doktoranden Qiang Li und Jelle Heijne mit Prof. Dr. Martin Sander und Dr. Nicole Klein, so wie weiteren Forschern vom 29.07 bis zum 13.08.2022 eine Expedition nach Spitzbergen. Dabei war auch ein Team aus Frankreich und ein Bürgerwissenschaftler aus den Niederlanden. Ihre Funde lassen Großes ahnen.

Qiang Li und Jelle Heijne sind wissenschaftliche Mitarbeiter in der Wirbeltierpaläontologie der Universität Bonn und beschäftigen sich intensiv mit marinen Reptilien, insbesondere Ichthyosauriern. "Die Wirbel sind besonders groß gewesen, vor allem wenn man bedenkt, dass das Tier aus der unteren Trias kommt", sagte Prof. Dr. Martin Sander über den Fund vor 40 Jahren. Dieses hohe geologische Alter, ca. 249 Millionen Jahre vor heute, bewegte das Team dazu, selbst eine Reise zum Berg Eistraryggen zu unternehmen und so begannen sie die Planung.

Ein Blick in die Landschaft
Ein Blick in die Landschaft


Am 01.08 ging es dann mit dem Boot von Longyearbyen los, um das Südkap herum und nach Agardhdalen an der Ostküste der Insel. Der Plan war es, so lange wie möglich an der Fundstelle an dem Berg Eistraryggen zu bleiben, doch das Wetter war am ersten Abreisetag nicht geeignet und so blieb das Team einen Tag am Südkap von Spitzbergen. Dort arbeiteten sie auch in den Schichten der Trias.

Phyllitisches Grundgebirge und Ammoniten-Fund am Südkap

Phyllitisches Grundgebirge (links) und Ammoniten-Fund (rechts) am Südkap

Das Südkap besteht aus präkambrischem Grundgebrige mit Quarziten, Schiefern und Phylliten, darauf haben sich verschiedene Flachwassersedimente abgelagert. In den selben triassischen Schichten, aus denen auch das anstoßgebende Fossil kam, fanden die Forscher vor allem Ammoniten und Muscheln. Wirbeltierfunde waren hier sehr selten und schlecht erhalten. Die Landschaft ist gezeichnet von Schnee, Schutthalden und Tundra.

Wirbel und Knochenfragmente aus Eistraryggen

Wirbel und Knochenfragmente aus Eistraryggen

Am 05.08 kam das Team dann in Agardhdalen an und wanderte 3,5 Stunden, teilweise durch weite Sümpfe, bis zur Fundstelle. Sie schlugen das Lager am Fuße zweier Berge auf – dem Roslagenfjellet und dem Eistraryggen. Das Team begann früh morgens seine Feldarbeit und konnte auch die nächsten Tage bis spät in die Nacht arbeiten, aufgrund der langen Sonnenstunden hoch im Norden zur jetzigen Jahreszeit. Zunächst kamen nur Ammoniten und weitere Muscheln an die Oberfläche, doch ziemlich schnell gelang es dem Team dann in verschiedenen Schichten am Hang Gesteinsknollen, so genannte Konkretionen, mit u.a. Ichthysosaurierknochen und -fragmenten zu finden. Überwiegend handelte es sich dabei um Rippen und Wirbel. Die vielen Funde von Ammoniten helfen weiterhin dabei, das Alter der Schichten zu bestimmen, was Prof. Jens Lehnmann von derUniversität Bremen übernimmt.

Knochen aus Konkretion

Knochen aus Konkretion

Knochen mit Vivianit
Knochen mit Vivianit
Besonders interessant sind die Erhaltungszustände. Viele Fossilien wurden in Konkretionen gefunden, viele schimmerten blau, verursacht durch das Mineral Vivianit. Nun interessiert die beiden Forscher, wie es dazu kam, dass hier Fossilien erhalten werden konnten. „Wieso sind einige Knochen in Konkretionen eingebettet und andere nicht?“, fragt sich Jelle Heijne, „Hier geht es um die Frage der frühen Fossilisation, als die Tiere starben.“ Qiang Li interessiert die Chemie dahinter und beschäftigt sich mit den späten Prozessen der Fossilisation: „Welche Bedingungen haben die letzten paar Millionen Jahre geherrscht und welcher Chemismus steht hinter den Fossilien, die wir gefunden haben?“. Jetzt ist das Team wieder in Bonn und wartet auf die Verschiffung und später Untersuchung der Fossilien.

 

 

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